Der Pranger

Pranger.JPG Traunstein hatte als Gerichtsort einen Pranger, wann dieser errichtet wurde, ist nicht bekannt. An den drei Markttagen wurde dort, als Zeichen der Gerichtsbarkeit, das Schwert ausgesteckt und jedes Jahr wurde vor dem Pranger das Banntaiding, die Gerichtsversammlung, abgehalten. Alle Hausbesitzer mussten an dieser Veranstaltung am Marktplatz teilnehmen.

Um 1840 haben angeblich Burschen aus Grafenschlag von Traunsteiner Burschen den Pranger um 10 Liter Wein gekauft. Beim Transport brach bei der Zwicklmühle der Wagen und die Teile des Prangers lagen längere Zeit neben der Straße. Sie wurden dann als Marterl hergerichtet und auf der Einfassung der steinernen Kampbrücke, neben der Zwicklmühle, aufgestellt.

1962 konnten Dechant Elter und der Bürgermeister von Traunstein, Direktor Alois Enigl, vom Bürgermeister der Gemeinde Kl. Nondorf, den Pranger „zurückkaufen“. Traunstein musste sich verpflichten, an Stelle des Prangers, auf die Kampbrücke ein Marterl zu setzen (es steht heute noch dort), und die seinerzeit bezahlten 10 l Wein zum Tagespreis (1963 = 200 Schilling) zu vergüten.

Die Verhandlungen waren ziemlich langwierig, aber am Stephanietag 1963 konnten Bürgermeister Enigl, Lehrer Neuwirth und noch einige Burschen den Pranger abmontieren und nach Traunstein führen, die Teile wurden auf dem Marktplatz gelagert.

Weil aber die Gemeinde die vereinbarten 200 Schilling Weingeld nicht gleich bezahlte, waren über Nacht zwei Prangerteile verschwunden. Es entbrannte ein „Prangerkrieg“, der auch die Gendarmerie und die Presse beschäftigte. Nach längerem Versteckspiel und nachdem das Lösegeld bezahlt war, brachten einige Burschen aus Bromberg die „Geiseln“ zurück.

Im Frühjahr 1964 konnte endlich das Fundament errichtet und der Pranger aufgestellt werden. Wo er ursprünglich stand, ist leider nicht genau bekannt, aber wahrscheinlich nicht sehr weit von seinem jetzigen Standort entfernt. Heute gehört er längst zum Ortsbild von Traunstein und würde sehr fehlen, stünde er nicht dort.